Prof. Dr. Lutz Hieber

Wissenschaftlicher Werdegang:

Nach dem Abitur studierte ich Physik (Nebenfach Astronomie) in Bonn. Ich hatte das Glück, bei Wolfgang Paul (Nobelpreis 1989) Experimentalphysik-Vorlesungen zu hören. Als Diplomand arbeitete ich in einem Team in der Elementarteilchenphysik. Meine Diplom-Arbeit befasste sich mit der Photoproduktion neutraler Pionen am Deuteron. Nach dem Diplom-Examen erhielt ich eine Stelle als Doktorand am Physikalischen Institut der Universität Bonn, die ich allerdings nach einem dreiviertel Jahr beendete, weil sich mir die Frage aufdrängte, warum es diese Physik gibt. Um eine Antwort zu erarbeiten, wechselte ich nach einem kurzen Zwischenspiel als Physik- und Mathematik-Lehrer am Gymnasium Großburgwedel an die Technische Universität Hannover (heute Leibniz Universität Hannover).

Nach meinem Einstieg in Soziologie und Politische Wissenschaft schloss ich mein Promotionsstudium mit einer Arbeit zum Thema »Probleme des naturwissenschaftlichen Produktionsprozesses in der bürgerlichen Gesellschaft« ab. Meine Aktivität in der Anti-AKW-Bewegung führte mich zur Beschäftigung mit den Schwierigkeiten, naturwissenschaftlich-technisches Wissen, das für die gesellschaftliche Entwicklung relevant ist, mit demokratischen Diskussionen über gesellschaftliche Entwicklung zu vermitteln. In diesem Zusammenhang entstand meine Habilitationsschrift »Aufklärung über Technik« (1983). Das ursprünglich im Zusammenhang dieser Schrift geplante Kapitel »Die Auswirkungen der Einrichtung von Großforschungszentren und Sonderforschungsbereichen auf die naturwissenschaftlich-technische Forschung in den Universitäten« erschien separat in der Zeitschrift für Soziologie, Jg. 9, 1980, S. 159–178. Den in dieser Phase begründeten wissenschaftssoziologischen Strang führte ich später weiter mit Themen zur Verantwortung Ingenieurwesen und in der Physik.

Gegen Ende der 1980er Jahren wandte ich mich stärker Themen der Politischen Soziologie und der Kultursoziologie zu. Durch Aufenthalte in New York City wurde ich mit künstlerischen Praktiken bekannt, die mich veranlassten, mich auf neue Weise mit der historischen Avantgarde zu beschäftigen. Die ersten Anstöße gaben bereits 1988 die Ausstellungen »The Modern Poster« (1988) im Museum of Modern Art in New York und »ACT UP« in White Columns (1988). Während die historische Avantgarde für die deutschen Museen eine längst abgeschlossene Epoche  der Kunstgeschichte darstellt, schienen mir deren Ideen in den USA eine Weiterentwicklung erfahren zu haben. Tatsächlich hatten viele europäische Avantgardisten und Wissenschaftler, die nach 1933 durch Diktatur und Krieg zur Emigration gezwungen waren, in den USA Wirkungsstätten gefunden und Professuren an Universitäten erhalten. Meine Forschungstätigkeit, verbunden mit vielen Aufenthalten in New, York führte mich zu einem Verständnis ihrer Einflüsse auf künstlerische Praktiken in den kulturellen Zentren der USA. Zugleich eröffnete sich eine Sicht auf die Verluste der deutschen Kultur durch den historischen Aderlass der 1930er Jahre.

Meine Mitgliedschaften: Sektionen »Kultursoziologie« und »Medien- und Kommunikationssoziologie« in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, und dort in den Arbeitskreisen »Soziologie der Künste« sowie »Filmsoziologie«.